In Deos ist Aluminium gefährlich. Weshalb darf es dann verimpft werden?

Bei dem enthaltenen Aluminium in Impfstoffen und Deodorants handelt sich um unterschiedliche Verbindungen, Dosierungen und Applikationsformen (Injektion in den Muskel und Verteilung auf der Haut). Dies ist für die Risikoeinschätzung sehr wichtig, da wenige Impfungen pro Jahr andere Auswirkungen haben als der tägliche und dauerhafte (also „chronische“) Gebrauch von Kosmetika.

 

Da überwiegend gelöstes Aluminium, also Aluminiumionen, für die Toxizität verantwortlich sind, ist vor allem die effektive Verfügbarkeit für den Körper entscheidend. Diese hängt von der Art der Verbindung (unterschiedliche Löslichkeit) und der Applikationsform ab. Natürlich scheint es zunächst naheliegend zu sein, dass eine injizierte Verbindung mehr Probleme bereiten kann. Die genutzten Verbindungen (üblicherweise Aluminiumhydroxid und Aluminiumphosphat) sind jedoch im Muskel unlöslich [1,2], da hier der pH-Wert zu hoch ist. Aus diesem Grund verteilen sich Impfungen nicht im Körper, sondern verbleiben an der Injektionsstelle, wo das Immunsystem die enthaltenen Antigene als fremd erkennt und "abspeichert".

 

Deodorants verwenden aluminiumhaltige Verbindungen wie Aluminiumchlorid oder im Falle des Deokristalls sogar ein kristallisiertes Mineral (Alaun). Der Grund für die Verwendung ist die sogenannte adstringierende Wirkung der Verbindungen, wodurch die Ausgänge der Schweißdrüsen für kurze Zeit „verstopft“ werden. Für eine toxische Wirkung muss die Verbindung also die Haut passieren. Dies geschieht bei gesunder Haut nur in sehr geringen Mengen, weshalb die Studienlage über aluminiumhaltige Deodorants noch widersprüchlich ist. Daten des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) und der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) zufolge tragen Deos signifikant zur täglichen Aufnahme von Aluminium bei, jedoch konnte bisher kein Kausalzusammenhang mit neurotoxischen Erkrankungen oder Krebs festgestellt werden.[3] Es wird daher lediglich empfohlen, kurz nach der Rasur auf Deo zu verzichten, da die Aufnahme durch geschädigte Haut weitaus höher ist.

 

Das große Angebot von Deos ohne Aluminiumsalze bezieht sich überwiegend auf die hohe Nachfrage, nicht auf der möglichen Gefährlichkeit. Die Assoziation von Aluminiumverbindungen mit Krebs wurde in den Medien stark thematisiert und entsprechend groß ist das Interesse der Kunden an Aluminium-freien Produkten, ganz unabhängig von der tatsächlichen Gefährdung. Ein Vergleich ist an dieser Stelle also kaum möglich.

 

Zusammenfassung: Die Aluminiumverbindungen in Deodorants und Impfungen verhalten sich grundsätzlich unterschiedlich hinsichtlich ihrer Dosierung und Applikationsform. Das tatsächliche Risiko beim Einsatz von aluminiumhaltigen Deos ist nicht abschließend geklärt, während die Sicherheit von Adjuvanzien bereits jahrelang überprüft und auch in der Gegenwart ständig beobachtet wird. [4,5]

 

1: https://www.gsk-med.de/pil/produkte-pil/boostrix-beipackzettel.html, letzter Abruf: 23.01.2018

 

2: http://www4.ncsu.edu/~franzen/public_html/CH201/data/Solubility_Product_Constants.pdf, letzer Abruf: 23.01.2018

 

3: Stellungnahme Nr. 007/2014 des BfR vom 26. Februar 2014

 

4: H. Hogenesch, Mechanism of Immunopotentiation and Safety of Aluminum Adjuvants, Front Immunol., 2012

 

5: E.B. Lindblad, Aluminium compounds for use in vaccines, Immunology and Cell Biology, 2004

 

Dennis