Ist Quecksilber in Impfstoffen?

Die Antwort auf diese Frage ist recht simpel: Nein.

 

Der Ursprung für diese Behauptung ist der vor einigen Jahren genutzter Zusatz Natrium-2-(ethylmercurithio)benzoat, oder auch bekannt als Thiomersal. Bei dieser Verbindung handelt es sich um ein hochwirksames Konservierungsmittel, welches in sehr geringer Dosierung verwendet wurde, um einen Impfstoff sogar bei mehrfacher Verwendung haltbar zu machen und somit mikrobielle Verunreinigungen zu vermeiden. Es ist auch für die Nutzung in Kontaktlinsenflüssigkeit und Kosmetika zugelassen.[1] Heute wird Thiomersal aufgrund des technischen Fortschrittes für die meisten Impfstoffe nicht mehr benötigt, da Einzeldosisbehälter steril hergestellt werden.[2] Seine antimikrobielle Wirkung erhält Thiomersal durch die Freisetzung von Ethylquecksilber, welches über eine biochemische Reaktion die Funktionsfähigkeit von Enzymen hemmt. Erst in höherer Dosierung entfaltet es eine giftige Wirkung für den Menschen, jedoch kann es in seltenen Fällen zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen.[2,3] Es gibt jedoch keine Anzeichen für neurologische Entwicklungsstörungen durch entstehendes Ethylquecksilber.[4]

 

Die Toxizität von Ethylquecksilber, also dem Abbauprodukt von Thiomersal, ist weitaus geringer als Methylquecksilber, welches bspw. in Fischen zu finden ist.[3] Die Toxizität ist abhängig von der Dosis und der Verbindung, denn laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist der normale (gelegentliche) Konsum von Fisch – trotz Methylquecksilber – nicht bedenklich.[5] Das gleiche Prinzip gilt für die geringe Dosierung an Thiomersal in Kosmetika und ehemals auch Impfstoffen.

 

Aufgrund ökologischer Bedenken, der Überempfindlichkeit und den Substitutionsprinzipien für Chemikalien (ein unbedenklicher Stoff sollte bei gleicher Wirkung immer bevorzugt werden) sowie neuer technologischer Möglichkeiten werden Impfstoffe heute ohne Konservierungsstoff hergestellt.[2] Ausnahmen davon sind sogenannte Pandemieimpfstoffe, welche aufgrund ihrer Verfügbarkeit und Mehrdosenbehältnissen lange haltbar sein müssen.

 

Spurenanalytische Untersuchungen im Auftrag der „impfkritischen“ AGBUG (Arbeitsgemeinschaft Bürgerrecht und Gesundheit) haben jedoch gezeigt, dass in einigen Exemplaren äußerst geringe Mengen an Quecksilber (in gebundener Form) enthalten sind.[6,7] Leider sind keine Fehlerbereiche angegeben: Messungen besitzen immer leichte Variationen, deren Reichweite normalerweise hinter dem Messwert angegeben wird. Wenn zum Beispiel eine Gruppe aus 10 Personen durchschnittlich 170 cm +/- 200 cm groß ist, erkennt man, dass ein Fehler bei der Messung vorliegen muss - denn die Körpergröße kann nicht negativ sein und 370cm große Menschen gibt es auch nicht. Da das Labor leider auf die Angabe der Fehlerbereiche verzichtet hat, sehen wir uns nur die Zahlen an.

 

Die Rede ist hier von Spuren in der Dimension von 10 ppb (parts per billion, also hier 10 Teilchen Quecksilber auf einer Milliarde Teilchen insgesamt) bzw. 10 µg/l (1 µg = ein tausendstel Milligramm). Da sich diese Angaben auf einen Liter beziehen, in einer einzelnen Impfung jedoch nur 0,5 ml injiziert werden, sind bei einer Konzentration von 10 µg/l tatsächlich nur 0,005 µg (5 ng, also ein milliardstel Teelöffel) enthalten. Die tolerierbare tägliche, also dauerhafte, Aufnahme liegt lt. WHO bei 2 µg/kg Körpergewicht.[8] Verunreinigungen in dieser Dimension sind typisch, da sie nur knapp oberhalb der Nachweisgrenze liegen - was nicht heißen soll, dass diese Verbindung in der Probe nicht existiert. Es kann sich allerdings bereits um die kleinste natürliche Verunreinigung aus dem Herstellungsprozess handeln, welche man im Alltag nicht wahrnimmt.[4] Zu unserem täglichen Leben gehören schließlich auch Elemente wie radioaktives Uran im Erdgestein, welches durch Wasser gelöst und an die Oberfläche transportiert wird.[9] Für uns ist es nur nicht relevant, weil diese Anteile (in dieser Konzentration) harmlos sind. Unser Lebensraum ist selbst ohne Abgase oder sonstige menschliche Emissionen nicht steril und wir haben uns schließlich in diesem Lebensraum entwickelt. Wie man anhand der Analyse auch sehen kann, sind sehr viele verschiedene Elemente „enthalten“, die letztendlich nichts mit der Impfung zu tun haben und ebenso in der normalen Wasserprobe zu finden sind.

 

Zusammenfassung: In keinem Säuglingsimpfstoff ist Quecksilber enthalten. Früher wurde eine Quecksilberverbindung in harmloser Konzentration verwendet, um Impfstoffe gegenüber mikrobieller Verunreinigung haltbar zu machen. Heute ist diese Verbindung nur noch in geringer Konzentration in verschiedenen Kosmetikprodukten und in Pandemieimpfstoffen bzw. Mehrfachdosierungen vertreten.

 

 

 

1: Verordnung (EG) Nr. 1223/2009

 

2: K. Weisser, K. Bauer et al., Thiomersal und Impfungen, Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 2004

 

3: T. Syversen, P. Kaur, Die Toxikologie von Quecksilber und seiner Verbindungen, Perspectives in Medicine, 2004

 

4: European Agency for the Evaluation of Medicinal Products (EMEA), Public Statement on Thiomersal in Vaccines for Human Use, 2004

 

5: Scientific Opinion on the risk for public health related to the presence of mercury and methylmercury in food, in: EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain, 2012

 

6: http://agbug.de/download/impfstoff02.pdf (letzter Abruf: 2.01.2018)

 

7: http://www.agbug.de/download/Impfstoffuntersuchung01.pdf, letzter Abruf: 20.09.2017

 

8: International Programme on Chemical Safety (IPCS), Concise International Chemical Assessment Document 50: Elemental Mercury and Inorganic Mercury Compounds: Human Health Aspects, 2003

 

9: C. Dienemann, J. Utermann, Uran in Boden und Wasser, Umweltbundesamt, 2012

 

Dennis