Kann man durch die Impfung an der „geimpften“ Krankheit erkranken?

Die meisten Impfstoffe sind so genannte Totimpfstoffe, die nur abgetötete Erreger, deren Bestandteile oder inaktivierte Toxine enthalten. Diese Impfstoffe können keinesfalls die entsprechende Krankheit auslösen. Es kann jedoch im Zuge der gewünschten Immunreaktion zu Symptomen wie Fieber oder Lokalreaktionen etc. kommen. Mehr dazu unter: "Welche Nebenwirkungen können auftreten und wie lange nach der Impfung?"

 

So genannte Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Erreger. Diese sind in der Lage, krankheitsähnliche Symptome hervorzurufen. Ein voll ausgeprägtes Krankheitsbild zeigt sich allerdings fast nie.

 

Ein Beispiel für so eine „Impfkrankheit" sind die sogenannten Impfmasern. Der MMR-Impfstoff enthält abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Masernviren. Diese lösen bei etwa 5% der Geimpften nach ca. 5-10 Tagen Fieber und einen masernartigen Hautausschlag aus. Diese Symptome deuten darauf hin, dass eine gute Immunantwort gegen Masern stattfindet (Treten nach einer MMR-Impfung keinerlei Symptome auf, heißt das im Umkehrschluss aber nicht, dass keine gute Immunität erreicht wird). Zu einer voll ausgeprägten Masernerkrankung mit ihren möglicherweise schweren Komplikationen, wie sie nach einer "natürlichen" Masern-Infektion auftritt, kommt es durch die MMR-Impfung nicht und auch die gefürchtete Masern-Enzephalitis wurde bei gesunden Menschen nie beobachtet. Menschen, die an einer Erkrankung des Immunsystems leiden, können eine Masern-Enzephalitis jedoch auch in Folge einer Masern-Impfung erleiden. Dies tritt allerdings selbst bei Immunschwäche sehr selten (1 Fall pro 1 Million Impfdosen) auf, zumal Erkrankungen des Immunsystems keinesfalls häufig sind und eine Kontraindikationen für Lebendimpfstoffe darstellen.

Auch nach der Rotaviren-Impfung oder der Impfung gegen Windpocken (Varizellen) können solche „Impfkrankheiten“ auftreten. Auch diese treten allerdings nie in der Intensität der jeweiligen "natürlichen" Infektion auf.

 

Früher wurde mittels Schluckimpfung gegen Polio geimpft. Die orale Poliovakzine (OPV) führte zur erfolgreichen Zurückdrängung der Polioviren, verursachte allerdings leider immer wieder Fälle von Poliomyelitis (Kinderlähmung) und wird deshalb heute nicht mehr verwendet. Stattdessen impft man mit einem Totimpfstoff, der diese Erkrankung nicht mehr auslösen kann.

 

https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/1/5/5/CH1100/CMS1386342769315/impfungen-reaktionen_nebenwirkungen.pdf (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.cdc.gov/vaccinesafety/vaccines/mmrv-vaccine.html (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.gsk-med.de/pdfurl?action=getfi&id=08627744 (abgerufen 29.01.2018)

 

https://www.cdc.gov/vaccinesafety/vaccines/varicella-vaccine.html (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10608621 (abgerufen 29.01.2018)

 

https://www.cdc.gov/vaccinesafety/vaccines/rotavirus-vaccine.html (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25066368 (abgerufen 29.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23964090 (abgerufen 28.01.2018)

 

http://www.who.int/biologicals/areas/vaccines/poliomyelitis/en/ (abgerufen 28.01.2018)