Kann man homöopathisch impfen?

Um es gleich vorwegzunehmen: „Homöopathische Impfungen“ sind leider sowohl sinn- wie wirkungslos. Und deshalb sogar gefährlich, weil sie nicht im Mindesten die Wirkung haben, die man von einer Impfung erwartet: Den Schutz vor Infektionskrankheiten.

 

Homöopathen vertreten oft die Ansicht, Homöopathie und Impfen seien etwas Verwandtes, Ähnliches – immerhin gehe es doch bei der Impfung, genau wie bei der Homöopathie, um Heilung mit etwas „Ähnlichem“. Manchmal gehen die Homöopathen sogar so weit, zu behaupten, sie hätten die Impfung „erfunden“.

 

Homöopathische Vorbeugung – gibt es nicht

 

Homöopathie versteht sich als Arzneimittelkunde zur Heilung vorhandener Erkrankungen. Was Homöopathen deshalb bei ihrer Aussage zu allererst übersehen: Der Impfende "heilt" nicht. Impfungen sind klassische Prophylaxe, Vorbeugung, was zum Konzept der Hahnemannschen Homöopathie völlig quer steht.

 

Die homöopathische Behandlung zielt auf die Korrektur einer ominösen, durch Krankheit „verstimmten geistigen Lebenskraft“ ab. Beim gesunden Patienten (ja, der muss ja gesund sein!), der zur Impfung erscheint, ist aber gar nichts verstimmt. Die homöopathische Methode könnte also hier auch nach ihren eigenen Grundsätzen nichts bewirken.

 

Schon in den 1820er Jahren, zu Lebzeiten Hahnemanns, kam die Idee der "homöopathischen Impfung" auf. Urheber war ein gewisser Doktor Lux, der mittels homöopathischer Potenzierung "Arzneimittel" aus Blut und Ausscheidungsprodukten kranker Tiere herstellte, sogenannte "Nosoden" (nach dem griechischen Wort für Krankheit). Eine völlig unverstandene und unsinnige Verzerrung der damals schon bekannten Kuhpockenimmunisierungen des englischen Arztes Edward Jenner, vermischt mit homöopathischen Grundideen.

 

Dass trotzdem von manchen Homöopathen Nosoden (die heute auch aus krankem Gewebe oder auch direkt aus [inaktivierten!] Krankheitserregern gewonnen werden) in der erklärten Absicht gegeben werden, man betreibe hierdurch Impfen, ist gefährlich irreführend.

 

Moderne Impfung - missverstanden

 

Wie eingangs schon erwähnt, wird oft unter Bezug auf die Regel der Homöopathie "Ähnliches heilt Ähnliches" das Prinzip der Impfung mit der Homöopathie in Verbindung gebracht. Das aber ist ein grobes Missverständnis.

 

Das Vakzin, also der Impfstoff, der verabreicht wird, wirkt selbst nicht schützend, ist im eigentlichen Sinne ja kein „Medikament gegen eine Krankheit“. Er löst vielmehr eine Immunreaktion im Körper aus, er veranlasst das Immunsystem, Antikörper gegen die potenzielle Erkrankung zu bilden. Wohlgemerkt: Antikörper, also klassische Gegenmittel. Nicht das Simile, das Ähnliche in der Impfung selbst wirkt, sondern die als Impfreaktion gebildeten Antikörper. Der richtig betrachtete Impfmechanismus ist deshalb kein Zeuge für die Homöopathie - ganz im Gegenteil. Außerdem werden bei einer Impfung physiologisch wirksame Impfdosen verabreicht, nicht bis über Nachweisgrenzen hinaus verdünnte homöopathische Mittel.

 

Nein – Homöopathie und Impfung gehören nicht zusammen

 

Leider hört man immer wieder, dass Homöopathen von Impfungen abraten und stattdessen ihre eigenen "Impfungen" propagieren. Beim homöopathischen "Impfen" kriegen Sie und Ihr Kind jedoch buchstäblich nichts. Ein irgendwie gearteter Schutz, eine Immunisierung, ist damit nicht verbunden!

 

Udo