Lösen Impfungen Autismus aus? - Die "Affäre Wakefield"

Die „Autismus-Lüge“ ist wohl diejenige Geschichte, die für sich genommen den größten Anteil am Entstehen von Impfskepsis- und Impfgegnerschaft seit den 1990er Jahren hat. Deshalb hier etwas ausführlicher etwas zu den Hintergründen:

 

Gleich zu Anfang: Nein, es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Impfungen Autismus auslösen. Gerade die Geschichte von der "Autismus-Lüge" hat viele Forschungen zu diesem Thema initiiert. Und die Ergebnisse sind sehr eindeutig – weiter unten Näheres dazu.

 

Die ganze Geschichte ist auch unter dem Titel „Affäre Wakefield“ bekannt.

 

Andrew Wakefield, damals gastroenterologischer Kinderarzt an einer Londoner Klinik, hat 1998 eine "Studie" im renommierten Wissenschaftsmagazin "The Lancet" veröffentlicht. Er stellte darin die These eines Zusammenhangs von MMR-Impfungen mit dem Entstehen von Autismus auf. Es wurde jedoch von mehreren Seiten aufgedeckt, dass diese „Studie“ auf manipulierten und gefälschten Daten beruhte und ihre Ergebnisse daher falsch waren.

 

Was steckte dahinter? Zum einen hielt Wakefield ein Patent für einen neuen Masern-Einzelimpfstoff, der durch die Verbreitung des MMR-Mehrfachimpfstoffs wertlos war. Zum anderen wurden Verbindungen von Wakefield zu Anwälten aufgedeckt, die nach Argumenten für Klagen gegen Arzneimittelhersteller wegen angeblicher Autismus-Risiken in Impfstoffen suchten. Die Klinik Wakefields erhielt aus dieser Quelle einen nennenswerten Geldbetrag, an Wakefield selbst ist rund eine halbe Million englische Pfund geflossen. [1]

 

„The Lancet“ zog die Veröffentlichung zurück, was es vorher noch nie gegeben hatte. [2] Die britische Gesundheitsbehörde führte eine Untersuchung durch, einen öffentlichen Prozess konnte Wakefield nur durch eine Anerkennung des Klagevorwurfs abwenden. Er verlor seine ärztliche Zulassung auf Lebenszeit. Die "Wakefield-Affäre" gilt als einer der größten Medizinskandale überhaupt – vor allem, wenn man sich, die inzwischen jahrzehntelang anhaltende Verunsicherung von Eltern, vor Augen hält. Die ethische Dimension wird auch daran deutlich, dass viele Eltern nach wie vor mit Selbstvorwürfen leben, womöglich ihr autistisches Kind durch Impfungen geschädigt zu haben.

 

Wakefield übersiedelte in die USA und fand sofort Anschluß an die dortige Impfgegnerszene, der er als Aushängeschild dient. [3] Er tritt nun als „Filmregisseur“ in Erscheinung und versucht weltweit seinen Kinofilm „Vaxxed“ zu vermarkten, in dem er seine alte These mittels einer unhaltbaren und inzwischen widerlegten Verschwörungstheorie erneut propagiert. [4]

 

Von dieser Geschichte zu wissen, ist wichtig – sie ist aber natürlich noch keine Antwort auf die Frage, ob aus wissenschaftlicher Sicht Impfungen Autismus auslösen können oder nicht.

 

Es gibt jedoch inzwischen etliche Studien, die keinen Zusammenhang zwischen Autismus und Impfen feststellen konnten. Die umfassendste Betrachtung dazu [5] stammt von der Cochrane Collaboration, einer unabhängigen, international tätigen Institution zur Bewertung medizinisch-wissenschaftlicher Ergebnisse, mit einem klaren Resultat. Auf der Basis von 1,5 Millionen ausgewerteten Impfungen: es besteht KEIN Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.

Zitat: "Wir können keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der MMR-Immunisierung und den folgenden Krankheitszuständen bestätigen: Autismus, Asthma, Leukämie, Pollenallergien, Typ 1-Diabetes, Lauf- und Gehstörungen, Morbus Crohn, Myelinschäden (Vorstufe von Multipler Sklerose) oder bakteriellen bzw. viralen Infektionen [...]"

 

Weitere Einzelstudien haben inzwischen dieses Ergebnis bestätigt. [6]

 

Zum Weiterlesen (englisch): Prof. David Gorski auf seinem Blog sciencebasedmedicine.org zur Autismus-Lüge und zur gesamten Wakefield-Story:

 

https://sciencebasedmedicine.org/the-fall-of-andrew-wakefield/

https://sciencebasedmedicine.org/still-no-association-between-mmr-and-autism/

 

 Udo