Soll man den Titer bestimmen lassen, anstatt den Impfschutz aufzufrischen?

Viele Eltern und Ärzte erwarten sich von einer Titerbestimmung eine exakte und zweifelsfreie Aussage über den Impfschutz gegen einen bestimmten Erreger. Jedoch ist das leider sehr selten möglich, auf die Gründe wird nachfolgend genauer eingegangen:

 

Der Antikörper-Titer, oder Impftiter ist ein Maß für die Höhe der Konzentration der Antikörper im Blut. Üblicherweise wird etwa einen bis drei Monate nach einer Impfung Blut abgenommen und die Menge an Antikörpern gemessen. Zu diesem Zeitpunkt ist eine maximale Immunantwort zu erwarten, ab diesem Zeitpunkt werden die Antikörper allerdings schon wieder abgebaut (in individueller Geschwindigkeit).

Bei manchen Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Hepatitis B, wird im Rahmen der Antikörperbestimmung die genaue Antikörperkonzentration im Blut angegeben. Von der Höhe des Antikörper-Spiegels können Rückschlüsse über die Länge eines effektiven Infektionsschutzes gezogen werden und zu welchem Zeitpunkt eine Auffrischungsimpfung angezeigt ist. Diese relativ genaue Angabe ist allerdings nur für wenige Infektionskrankheiten möglich.

 

In gewissen Situationen ist es allerdings sinnvoll das Vorhandensein von schützenden Antikörpern gegen einen bestimmten Erreger zu überprüfen. Zum Beispiel in Ausbruchssituationen, bei fehlender Impfdokumentation oder bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Routinemäßig wird der Titer nicht bestimmt. Eine generelle Titerbestimmung ist sehr kostspielig und vergleichsweise aufwendig. Venöse Blutabnahmen sind bei kleinen Kindern mit viel Stress verbunden und können das Vertrauensverhältnis zum Kinderarzt negativ beeinflussen. Ob tatsächlich eine Titerbestimmung sinnvoll ist, sollte individuell und in Absprache mit dem Kinder- oder Hausarzt entschieden werden.

 

 

 

Charles A. Janeway, Paul Travers, Mark Walport: Immunobiology. B&T; 6. Auflage (2005) ISBN 0-8153-4101-6 (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK10757/?depth=2)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11564609 (abgerufen 20.05.2018)

 

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https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1517/13543770802587226?journalCode=ietp20 (abgerufen 20.05.2018)