Warum beginnt man bereits so früh mit dem Impfen?

Es gibt mehrere Gründe, die für einen relativ frühen Impf-Beginn sprechen.

Säuglinge und Kleinkinder sind aufgrund ihres unreifen Immunsystems besonders gefährdet, schwerere Erkrankungsverläufe zu entwickeln. Das Immunsystem von Säuglingen muss „trainieren“ und jeden Erreger erst kennen lernen, bevor es einen Schutz gegen eine Vielzahl von Krankheiten gebildet hat. Eine Impfung ist zum Beispiel so ein „Training“. Dabei lernt unser Immunsystem anhand eines harmlosen Antigens (Bruchstück eines Erregers, Oberflächenprotein, inaktiviertes Toxin oder abgeschwächten Erreger) wie es auf den „richtigen“ Erreger reagieren soll.

Nach der Geburt sind „reif geborene“ Babies (Frühchen fehlen diese Antikörper meist) durch mütterliche Antikörper vor schweren Krankheitsverläufen geschützt. Dieser sogenannte Nestschutz lässt allerdings nach ein paar Wochen bis Monaten nach. Die Impfzeitpunkte wurden so gewählt, dass der Zeitraum, in dem ein Baby nicht gut geschützt ist, so kurz wie möglich ist.

Einige Erreger sind vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich. Das Immunsystem eines Säuglings ist nicht in der Lage, adäquat auf sogenannte Polysaccharide, das sind Zuckerverbindungen auf der Oberfläche bestimmter Bakterien, zu reagieren. Beispiele für diese Bakterien sind Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae b (HiB). Auch eine Keuchhusten-Infektion ist für einen Säugling gefährlicher als für ein älteres Kind.

Ein weiterer Grund ist, dass nach der ersten Impfdosis noch kein vollständiger und ausreichender Schutz besteht. Bei einigen Impfstoffen werden mehrere Dosen in bestimmten Abständen benötigt um eine gute Immunantwort zu erzielen. Beginnt man rechtzeitig zu impfen, ist das Kind optimal geschützt, wenn es beginnt die Welt zu erkunden.

 

Die vielerorts angeführte Argumentation, ein frühes Impfen von Kleinkindern sei aufgrund der nicht ausgereiften Blut-Hirn-Schranke gefährlich, gehört in den Bereich der Märchen: Bereits seit den frühen 2000ern geht man nicht mehr davon aus, dass Babys mit einer unreifen Blut-Hirn-Schranke geboren werden. Außerdem ist deren Relevanz für Impfungen und ihre Nebenwirkungen fraglich.

 

So sprechen also vor allem das unausgereifte Immunsystem von Babies als auch ihr erhöhtes Risiko, schwerere Krankheitsverläufe oder ihre Komplikationen zu erleiden, für einen rechtzeitigen Beginn gemäß der Empfehlungen.

 

 

 

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