Warum werden Kombinationsimpfstoffe verwendet? Wären Einzelimpfungen nicht schonender?

Heutzutage ist es nicht nur möglich, gegen viele unterschiedliche Erreger zu impfen, es besteht durch den Einsatz von Kombinationsimpfstoffen auch die Möglichkeit, gegen viele Erreger gleichzeitig zu impfen.

 

Eine Impfung gegen beispielsweise sechs Erreger auf einmal klingt erst zunächst erschreckend. Man muss allerdings bedenken, dass man durch Kombinationsimpfstoffe dem Kind nicht nur weniger Nadelstiche zumutet, es wird auch eine geringere Menge an Wirkverstärkern (sogenannte Adjuvantien wie z.B. Aluminiumhydroxid) benötigt.

Das Immunsystem eines Neugeborenen ist bereits in der Lage, auf eine große Menge an Antigenen zu reagieren. Bei der Geburt kommt ein Baby von einer nahezu sterilen Umgebung in eine Welt voller Bakterien und anderen Erregern. Berechnungen zufolge hätte das Immunsystem jedes Säuglings die theoretische Kapazität, auf etwa 10.000 Impfungen gleichzeitig zu reagieren. Das würde bedeuten, dass man mit den 11 Impfungen des ersten Lebensjahres, selbst wenn man sie gleichzeitig verabreichen würde, nur etwa 0,1% der Möglichkeiten des kindlichen Immunsystems ausschöpft.

 

Die steigende Anzahl an empfohlenen Impfungen ist für viele verunsichernd. „Früher“ wurde nur gegen sehr wenige Erreger geimpft. In früheren Impfstoffen war die Antigen-Menge jedoch weitaus höher als in modernen Impfstoffen. Als Vergleich: Der frühere Ganzzellkeim-Impfstoff gegen Pertussis enthielt ca. 3000 Antigene. In allen heute im ersten Lebensjahr empfohlenen Impfstoffen zusammen sind nur etwa 130 Antigene enthalten.

 

Alles in allem stellen Kombinationsimpfstoffe eine effektive und sichere Option dar: die Nebenwirkungsrate ist nicht erhöht, vielmehr erspart man seinem Kind mehrere Nadelstiche und den Eltern einen umfangreichen, unübersichtlichen Impfplan mit dem Risiko, einzelne Impfungen versehentlich auszulassen. In den USA weisen Kinder durch Kombinationsimpfstoffe eine deutliche höhere Durchimpfungsrate auf. Es gibt sogar Anzeichen, dass die Nebenwirkungsrate unter Kombinationsimpfstoffen niedriger ausfällt. Außerdem stellen sie im Vergleich zu einzelnen Impfungen eine kostengünstigere Alternativen für unser Gesundheitssystem dar.

 

Eine Ausnahme bildet das Risiko für Fieberkrämpfe bei der 1. Gabe der MMRV-Kombinationsimpfung: das Risiko ist hier marginal erhöht (bei jeder 2300ten Dosis MMRV kommt es zu einem Fieberkrampf mehr in Relation zur alleinigen Gabe von MMR + V). Siehe hierzu: Welche Nebenwirkungen können auftreten und wie lange nach der Impfung?

 

http://journals.lww.com/pidj/Citation/1994/05000/Simultaneous_administration_of_childhood_vaccines_.12.aspx (abgerufen 23.01.2018)

 

http://pediatrics.aappublications.org/content/109/1/124 (abgerufen 23.01.2018)

 

http://www.academia.edu/22606043/The_Protection_The_Unit_of_Humoral_Immunity_Selected_by_Evolution (abgerufen 23.01.2018)

 

Abbas AK, Lichtman AH, Pober JS. Cellular and Molecular Immunology. 2nd ed. Philadelphia, PA: WB Saunders Co; 1994

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20587679 (abgerufen 23.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26073015 (abgerufen 23.01.2018)

 

http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21645515.2017.1362515 (abgerufen 23.01.2018)

 

In der folgenden Grafik haben wir versucht, die Vorteile durch Kombinationsimpfstoffe für Kinder, Eltern, das Gesundheitssystem und medizinische Mitarbeiter zusammenzufassen.