Was ist der „Nestschutz“ und wie lange schützt er mein Kind?

Unter dem sogenannten Nestschutz versteht man den Schutz eines Neugeborenen vor Infektionen durch mütterliche Antikörper. Mütterliche oder maternale Antikörper werden in den letzten Wochen vor der Geburt über die Plazenta übertragen. Die Übertragung beginnt circa in der 17. Schwangerschaftswoche und erreicht ihren Höhepunkt in der 40. Woche. Übertragen werden können natürlich nur Antikörper, die die Mutter aufgrund früherer Infektionen oder durch Impfung besitzt. Zu früh geborene Babys sind aufgrund niedrigerer Konzentrationen mütterlicher Antikörper wesentlich anfälliger für Infektionen.

 

Antikörper in der Muttermilch (überwiegende IgA-Antikörper) schützen zwar vor Infektionen, die den Magen-Darm-Trakt bzw. die Schleimhäute betreffen, gehören aber nicht zum eigentlichen Nestschutz und schützen nicht vor impfpräventablen Erkrankungen.

 

Der Abbau der mütterlichen Antikörper unterliegt vielen Faktoren. Sie haben, wie alle Antikörper, eine begrenzte Lebensdauer und außerdem kommt es durch das Wachstum des Babys zu einem Verdünnungseffekt. Aus diesen Gründen ist nach etwa 4 Monaten die niedrigste Konzentration schützender mütterlicher Antikörpern erreicht.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die mütterlichen Antikörper zwar vor möglichen Komplikationen einer Erkrankung schützen, nicht jedoch direkt vor der Ansteckung selber. Säuglinge können also erkranken, aber einen symptomlosen Verlauf zeigen. Trotz Nestschutz besteht daher auch bei symptomloser Maserninfektion im ersten Lebensjahr das Risiko, an SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) zu erkranken.

 

Gegen Pertussis (Keuchhusten) wird üblicherweise kein Nestschutz übertragen. Ungeimpfte Säuglinge haben jedoch das größte Risiko, sehr schwer an Keuchhusten zu erkranken. Daher wird es empfohlen, schwangere Frauen im letzten Trimester der Schwangerschaft gegen Pertussis zu impfen. Dadurch werden schützende Antikörper auf das Baby übertragen und die risikoreichste Zeit dadurch "überbrückt".

 

http://www.bmj.com/content/340/bmj.c1626.long (abgerufen 28.01.2018)

 

http://www.infektionsnetz.at/test/impfungen/vaccines/Vaccines_Abstract_08_03.pdf (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4043230/ (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28916245 (abgerufen 28.01.2018)

 

https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/3/3/1/CH1100/CMS1515753153756/impfplan_2018.pdf (abgerufen 28.01.2018)