Welche Nebenwirkungen können auftreten und wie lange nach der Impfung?

Der Rückgang diverser Erkrankungen, u.a. durch erfolgreiche Impfkampagnen, hat dazu geführt, dass das Risiko impfpräventabler Erkrankungen generell kaum mehr wahrgenommen wird. Viele dieser Krankheiten sind heutzutage selten geworden und entsprechend sind ihre Komplikationen im Alltag deutlich seltener zu sehen als noch vor einigen Jahrzehnten. Entsprechend richtet sich die Aufmerksamkeit heutzutage eher auf Impfnebenwirkungen und es entsteht eine verfälschte Risikoeinschätzung. Die Nebenwirkungen von Impfungen werden subjektiv als gefährlicher und realer eingestuft als die Risiken der Erkrankung.

 

Die Tabelle zeigt die Häufigkeiten von Krankheitskomplikationen im Vergleich zu möglichen Impfnebenwirkungen:

Impfstoffe sollen eine Immunreaktion (Bildung von Antikörpern) auslösen, deshalb kommt es vor, dass es nach einer Impfung zu Reaktionen bzw. Nebenwirkungen kommt. Eine fehlende Reaktion auf den Impfstoff bedeutet jedoch nicht im Umkehrschluss, dass keine ausreichende Immunantwort erfolgt ist.

 

Generell gilt die Faustregel, dass mögliche Nebenwirkungen bei Totimpfstoffen rascher auftreten (Stunden bis 3 Tage) als bei Lebendimpfstoffen (5-10 Tage).

 

Lokal- und Allgemeinreaktionen, wie z.B. Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber oder Mattigkeit sind normale Zeichen der Auseinandersetzung des Körpers mit einem Impfstoff. Sie treten einige Stunden bis maximal drei Tage nach der Impfung mit einem Totimpfstoff auf. Zur Linderung von Lokalreaktionen eignen sich kühlende Auflagen (Eis-Akkus nicht direkt auf die Haut legen!) und Fenistil-Gel. Bei stärkeren Schmerzen oder Fieber können fiebersenkende Schmerzmittel (z.B. Mexalen) verabreicht werden. Besteht das Fieber länger als drei Tage oder kommt es zu einer sehr starken Schwellung sollte möglichst ein Arzt aufgesucht werden.

 

Wird ein Totimpfstoff statt tief in den Muskel (intramuskulär) nur oberflächlich (subkutan) verabreicht kann als Reaktion auf die Adjuvantien (Fremdkörperreaktion) ein sogenanntes Granulom (Verhärtung) entstehen. Die Häufigkeit ist abhängig von der Impftechnik und lässt sich leicht vermeiden, indem der Impfstoff tief in den Muskel verabreicht wird.

 

Eine seltene Komplikation ist ein eitriger Abszess, der meist mit Fieber, starker Rötung und Schmerzen bei der Einstichstelle einhergeht. Das Einhalten grundlegender Hygienemaßnahmen führt zu einem seltenen Auftreten dieser möglichen Komplikation.

 

Bei Impfungen mit einem Lebendimpfstoff treten mögliche Reaktionen erst nach etwa 5 -10 Tagen auf, da sich die abgeschwächten Erreger erst vermehren müssen (ähnlich der Inkubationszeit des “echten” Erregers). Bei Lebendimpfstoffen kann es, neben Fieber, auch zu einer so genannten Impfkrankheit kommen. Ein Beispiel hierfür sind die Impfmasern, ein masernähnlicher Ausschlag nach der MMR Impfung. Dieser Ausschlag klingt jedoch nach ca. drei Tagen wieder ab und verläuft deutlich harmloser als die tatsächliche Erkrankung.

 

Eine seltene, aber für Eltern erschreckende Impfreaktion ist der Fieberkrampf. Auslöser ist nicht der Impfstoff an sich, sondern die Fieberreaktion auf den Impfstoff und dem damit verbundenen Risiko für einen Fieberkrampf. Bei Kindern mit der Neigung zu Fieberkrämpfen besteht bei jedem fieberhaften Infekt das Risiko eines Fieberkrampfes. Bei der Impfung gegen MMRV (Masern-Mumps-Röteln-Varizellen) ist das Risiko für einen Fieberkrampf erhöht. Möchte man also gegen MMR und Windpocken (V) impfen, sollte die erste Dosis getrennt erfolgen: MMR in den einen und V in den anderen Arm. Für die zweite Dosis kann man dann problemlos auf den MMRV Impfstoff zurückgreifen. Ein Fieberkrampf ist für die Eltern erschreckend anzusehen, bleibt aber in der Regel folgenlos und endet meist noch vor dem Eintreffen von herbeigerufenen Rettungskräften.

 

Reaktionen, die das übliche Maß einer Impfreaktion überschreiten, bezeichnet man als "Impfkomplikationen". Dazu gehören etwa schwere akute allergische Reaktionen. Diese treten in der Regel unmittelbar oder bis zu einer Stunde nach Verabreichung des Impfstoffes auf. Bei plötzlich auftretenden Schwellungen im Gesicht, juckenden Hautausschlägen, Atembeschwerden etc. sollte sofort ein Arzt aufgesucht bzw. der Notruf gewählt werden. Allerdings sind solche anaphylaktischen allergischen Reaktionen nach einer Impfung sehr selten (etwa 1:650.000 bis 1:1.500.000). Besteht eine große Sorge bezüglich einer anaphylaktischen Reaktion, sollte dies mit dem impfenden Arzt besprochen werden. In vielen Praxen besteht die Möglichkeit, eine gewisse Zeit nach der Impfung dort zu bleiben, um ggf. sofort reagieren zu können.

 

Informationen zu diesen so genannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) sind in den Beipacktexten und Fachinformationen des jeweiligen Impfstoffes zu finden. Dabei ist allerdings immens wichtig zu wissen, dass in einem solchen Beipackzettel alles vermerkt werden muss, was im Rahmen von Studien nach der Verabreichung eines Impfstoffes aufgetreten ist - aber nicht zwingend durch den Impfstoff hervorgerufen wurde. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist der Beipacktext der Windpockenimpfung (Varilrix). Als Nebenwirkung wird hier "ungiftiger Biss" und "Sonnenbrand" aufgeführt. Beides ist zwar nach der Impfung aufgetreten, sie stellt jedoch nicht die Ursache dafür dar.

 

Zu beachten ist außerdem die sogenannte Hintergrundinzidenz, also die üblicherweise in der Bevölkerung auftretende Zahl diverser Erkrankungen bzw. Symptome. Erbrechen, Kopfschmerzen oder Erkältungen treten im Rahmen verschiedener Infekte sehr häufig völlig unabhängig von Impfungen auf. Ändert sich an der Häufigkeit dieser Symptome nach Einführung eines Impfstoffes nichts, ist es entsprechend sehr unwahrscheinlich, dass der Impfstoff als Auslöser der Beschwerden infrage kommt.

 

Der Begriff des "Impfschadens" kommt aus dem Infektionsschutzgesetz und ist definiert als „gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen einer über das übliche Ausmaß hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch eine Schutzimpfung“. Impfschäden sind sehr selten, auf 20 Millionen verabreichten Impfdosen kommen nur etwa 10 anerkannte Impfschäden.

 

Eine über das normale Maß hinausgehende Impfnebenwirkung ist meldepflichtig. Entsprechend unsinnig ist der Vorwurf, viele Ärzte würden Impfschäden nicht melden - sie sind vielmehr dazu verpflichtet, dies zu tun.

 

Weitere Informationen dazu finden Sie unter "Wo kann ich eine schwere Nebenwirkung oder einen Impfschaden melden?"

 

https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/1/5/5/CH1100/CMS1386342769315/impfungen-reaktionen_nebenwirkungen.pdf (abgerufen 20.01.2018)

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23874807 (abgerufen 21.01.2018)

 

http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Nebenwirkungen/nebenwirkungen_node.html (abgerufen 20.01.2018)

 

New Brunswick (Canada) Health Authority: 2010. User guide: Report of Adverse Event Following Immunization (AEFI). http://www2.gnb.ca/content/dam/gnb/Departments/h-s/pdf/en/CDC/Epidemiology/AEFIUserGuideE.pdf (abgerufen 20.01.2018)

 

https://www.medizin-transparent.at/impfschaeden (abgerufen 20.01.2018)

 

https://scheinkorrelation.jimdo.com/ (abgerufen 20.01.2018)

 

http://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/bundesgesundheitsblatt/2002/2002-impfschaeden-90-99.pdf?__blob=publicationFile&v=1 (abgerufen 20.01.2018)

 

https://www.rki.de/DE/Content/Service/Publikationen/Downloads/1053.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen 20.01.2018)