Erfahrungsbericht von Lisa

2013 wurde ich mit meinem ersten Sohn schwanger. Impfen war für mich bis dahin kein Thema. Es wurde in meiner Familie nach Plan geimpft, darüber gab es keine Diskussion. Mir war auch gar nicht so recht bewusst, dass man sich auch gegen Impfungen entscheiden konnte. In den letzten Wochen der Schwangerschaft musste ich dann wegen leichter Komplikationen einige Tage im Krankenhaus verbringen. Meine Zimmernachbarin war eine junge Frau, etwa 5 Jahre älter als ich, Arzthelferin und schon mit dem zweiten Kind schwanger. Aus meiner Sicht also „vom Fach“. Zumindest mehr als ich. Sie berichtete mir dann vom Aluminium in Impfungen, davon wie viel Geld mit Impfungen verdient wird. Das erste mal hörte ich das Wort Impfschaden und immer wieder deutete sie an, dass sie in ihrem Beruf „so einiges mitbekommen“ würde. Sie berichtete davon, wie sie zum völligen Entsetzen ihres Kinderarztes die Tetanusimpfung verweigerte und wirkte dabei so überzeugt und taff. Ich bin niemand der sich von so etwas sofort überzeugen lässt , aber sie machte schon gewaltig Eindruck auf mich und ich nahm mir vor mich mal darüber zu informieren. Da ich Ärzten grundsätzlich erstmal vertraue, sprach ich also bei der ersten U-Untersuchung unsere Kinderärztin darauf an. Ich selber war immer nach Stiko geimpft worden und trotzdem hatte ich, und auch meine Geschwister, Keuchhusten bekommen. Meine Impfgegner Bettnachbarin hatte gerade diese Impfung als besonders nutzlos tituliert und so fragte ich vorsichtig nach, ob man nicht auf diese Impfung verzichten könne. „Schon mal ein bisschen sinnloses Gift weniger“, dachte ich. Es war Februar, die Kinderarztpraxis war so voll, sodass wir mit unserem winzigen Baby 90 Minuten auf den Termin warten mussten. Ich denke sie versuchte geduldig zu sein aber sie wirkte so, als ob sie sich nur mit Mühe ein genervtes Augenrollen verkneifen konnte. In wenigen Sätzen machte sie mir klar, dass diese Impfung wichtig sei und sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie wenig Verständnis für Diskussionen hatte. Ernst genommen fühlte ich mich nicht. Meine Zweifel hatte sie auch nicht zerstreut und in Gedanken hörte ich meine ehemalige Bettnachbarin sagen: „Natürlich will sie dein Kind impfen, sie verdient damit ihr Geld!“ Mir war klar, dass ich mehr über die Sache wissen musste um für den nächsten Arztbesuch gewappnet zu sein. Ich brauchte Bücher zu dem Thema und durchforstete nun Amazon. Bevor ich bei Amazon ein Buch kaufe, studiere ich immer ausgiebig die Kundenrezensionen. Und zwar vor allem immer die Besten und die Schlechtesten. Jemand hatte eines der populärsten Impfgegnerbücher mit einem Stern bewertet und dann ausführlich alle Impfgegnerargumente widerlegt, auch solche, die ich bis dahin gar nicht kannte. Die Argumente gegen Impfungen schienen mir zwar bis dato auch logisch, aber hier war nun auch die Komplexität vorhanden, die ich bei einer solchen Argumentation bei einem medizinischen Thema erwarte. Es war irgendwie nicht so eindimensional, keine Küchentischlogik. Es war erst nur ein Gefühl, dass es so richtig sein musste. Ich bin dann bei Facebook erstmal allen Gruppen beigetreten, die etwas mit Impfen zu tun hatten. Impfgegner, Impfbefürworter, und pro und kontra Gruppen. Ich las überall mit und eines zog sich wie ein roter Faden durch meine Beobachtungen. Alle Impfbefürworter hatten seriöse Quellen für ihre Argumente vorzuweisen, während mir bei kritischer Betrachtung der Quellen der Impfgegner die Haare zu Berge standen. Auch die Argumentation der Kritiker machte für mich wenig Sinn, vieles kam mir schlichtweg dumm vor.

 

Es war ein schleichender Prozess, aber heute weiß ich, dass es Impfschäden gibt und ich achte sehr genau darauf, dass meine Kinder am Tag der Impfung gesund sind. Vielleicht bin ich da sogar zu genau. Ich impfe nach Stiko und zusätzlich auch noch Meningitis B. Ich bin absoluter Impfbefürworter geworden und es macht mich wütend, wenn Impfgegner ihre Märchen unter frischgebackenen Muttis verbreiten. Allgemein würde ich mich nicht als sehr „impformiert“ bezeichnen, aber mir ist klar geworden, dass ich das als Laie auch nicht sein muss, solange ich mich bei Fragen an einen Arzt oder die Seite des RKI wende und nicht an irgendeine Muttigruppe. Unsere Kinderärztin habe ich inzwischen gewechselt, aber auch wenn ich mich von ihr in diesem Punkt schlecht beraten gefühlt habe, war das nicht alleine ausschlaggebend für den Wechsel. Ich kann sie ja sogar verstehen und wer weiß, ob ich für ihre Argumente überhaupt zugänglich gewesen wäre.

 

 

 

Lisa, 27 Jahre aus Niedersachsen